Elsas Nacht(b)revier

Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute
sehr wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen. [Douglas Adams]

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Freitag, 4. Juli 2008

Hollywood hat eine Vorliebe für Platon.

Ach, das stammt von Platon, wenn in jedem zweiten Hollywood-Melodram Kindern, Frauen, Männern, Alten, Jungen etc. angesichts eines Todesfalls der bestirnte Nachthimmel gezeigt wird und dann auf einen Stern gedeutet und gesagt: Da ist Mama/Papa/Brüderchen/Schwesterchen/Opa/Oma/Thorben/Imogen/Muriel/Akita jetzt.
Das wusste ich nicht. Aber ich habe mich immer gefragt, wo diese Vorstellung eigentlich herkommt.
Platon: Jede einzelne Seele ist individuell, ewig, unsterblich und hat ihre Heimat in den Sternen, wohin sie wieder zurückkehren wird, wenn dieser vergängliche Leib zerfallen ist.
*Zwischen Hausputz, Abendbrot, Studium, Müll wegbringen*

...

"Wenn der Gerechte auf Erden erscheinen wird, wird er gegeißelt, gefoltert, in Ketten gelegt, an beiden Augen geblendet werden, und schließlich wird man nach allen Martern ihn ans Kreuz schlagen, damit er zur Einsicht kommt, dass es nicht das Richtige ist, in dieser Welt gerecht zu sein, sondern es nur zu scheinen."
Platon, Rep. 361c.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Interessant

und auch ein bisschen zum Schmunzeln ist in der Tat dieses Fundstück auf OM-Sein einer katholischen Bildkerze des Klosters Andechs mit einem Vers von Bonhoeffer untendrunter.
Allerdings habe ich die zitierte Frage nicht verstanden, wie man sich als Katholik für die Verse eines Häretikers begeistern kann, dem man weder zur Hl. Kommunion zulassen noch erlauben würde, dass er sie austeilt.
Zugegeben, wir wären angesichts der Masse guter Schriftsteller in katholischen Reihen natürlich nicht auf Verse von "Häretikern" angewiesen. Aber warum in aller Welt sollte ich nur Werke, Gedanken, Verse oder Ideen von Leuten gut finden, die die Hl. Kommunion empfangen haben? Im Unterschied zu den Taliban jedenfalls hat die katholische Kirche in den Zeitläuften immer eine hervorragende Diskurskultur gepflegt, das hatte noch gute alte Wurzeln in der Scholastik und geht bis zurück in die Zeit der Auseinandersetzung mit den griechischen heidnischen Philosophen. Und wer jetzt gleich wieder "Inquisition" schreit, hat noch keine Vernehmungsprotokolle eines Inquisitionsprozesses gelesen. Nicht ganz ohne Grund gelten diese Prozesse als grundlegend für die Einführung des modernen Rechtssystems.
Nun aber jedenfalls, um das Rätsel zu lösen: Dietrich Bonhoeffer ist ein Märtyrer. Für Märtyrer hat die katholische Kirche ein großes, weites Herz. Und deshalb hat sie ihn in ihrem Märtyrerverzeichnis für Deutschland gelistet, obwohl er Protestant war.
Und daneben ist er einfach ein Vorbild im Glauben. Und schreibt noch dazu schöne Verse.
Das bekommen manchmal auch Nichtkatholiken hin.

...

Ich kann mich nicht erinnern, jemals die Luft über einem Gerstefeld flimmern gesehen zu haben, über einer schwarzen Teerstraße klar, aber über einem Getreidefeld? Das wird eine ziemlich kernig-knackige Gerste geben, wahrscheinlich muss man sie nichtmal rösten, sondern kann sie gleich zu Getreidekaffee vermahlen, so wie die Sonne hier schon seit Wochen herunterbrennt. Gestern hat es ein bisschen gewittert, Wasser war also auch da. Erst fielen einige Hagelkörner, aber dann doch nur noch dicke schwere Tropfen. Vor einigen Jahren gab es mal im Juli hier einen üblen Hagelschlag, das Eis türmte sich unter dem Rosmarinstrauch.
Man kann nicht viel erledigen an solchen Tagen, am besten die Klappläden frühmorgens gleich schließen - meine Erledigungstour heute vormittag war jedenfalls durch das Hitzeb r e t t , das mir jedesmal wieder beim Aussteigen entgegenknallte, trotz Klimaanlage auch nicht so toll. Außerdem ist es im Tal immer noch viel heißer. Nachdem die Fernsehgebühren hier eine FernsehSTEUER sind, wodurch automatisch die guardia di finanza ins Spiel kommen KÖNNTE, habe ich beschlossen, nach der freundlichen zweiten brieflichen Anfrage die 106 Euro halt zu überweisen. Das Meer habe ich kurz vom Auto aus gesehen, es ging fast ohne eine Nahtstelle in das Blau des Himmels über. Gestern ist ein alter Mann am Strand dort gestorben, beim vongole sammeln.
Das machen hier viele, die Wasserqualität ist hervorragend, ein Stück weiter im Süden ist sie sogar genausogut wie auf Sardinien. Leider ist Hundeverbot an den meisten Stränden und eigentlich ist es mir auch zu überlaufen dort. Ich bin einmal bei einer solchen Hitze ins Meer rein und klebte danach noch mehr. Warmes Salzwasser, uäh.
Jedenfalls macht sich mein Notebookkühler langsam bezahlt. Er müsste nur noch viel größer sein, damit ich mich mitsamt dem Notebook draufsetzen könnte.
Vorhin beim Pizzamachen endeckte ich, dass ein Teil der Mozzarellakügelchen in der Lake eingefroren waren. Rasul liebt Mozzarella und der gefrorene Block war für ihn eine herrliche Erfrischung.
Ein Eis wärs jetzt ...

...

Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

1 Kön 19,11-13

Und das werde ich auch mal sagen, das ist ein passender Spruch zum Anlass.

La Betancourt nach sechs Jahren Geiselhaft: Ringrazio Dio e i soldati!
Ich danke Gott und den Soldaten.

...

Mein lieber Scholli ...

...

Ich hatte das Meer ja nicht erwähnt, weil ich es nicht beschämen wollte. Mit Streifen bedeckt stand es vor mir am Himmel. Weiße Streifen für die Nähe zum Strand, graphitblaue für die Nähe dahinter. Zweigeteilt als sei es ein Harlekin und beim nächsten Hinschauen gäbe es Karos. So zog es sich zurück. Denn es ist schließlich nicht Karneval. Wie ich dem ernsthaften Donnern des Unwetters entnahm, das sich von den Bergen her in die Wasser stürzte.

Ansonsten ja haiku-freie Zone.

kranken schweinen
rede nicht weiter zu
blutiger ausfluss aus ihrem kolon
spricht bände.

Was ist denn eigentlich ein erlöster Christ?

fragte ich Georg vom glaubenssache.blog neulich und bekam auch Antwort. Jesus Christus kam zwar nicht drin vor, aber ich kreide ihm das natürlich nicht an (nicht ironisch gemeint), mir wäre auf die Schnelle nicht viel Bessres eingefallen als erste Annäherung (ehrlich und gar nicht abwertend gemeint). (Ich schreibe das mal lieber dazu).
In der Tat habe ich mir auch Gedanken dazu gemacht, aber die sind unhübsch (und beziehen sich auch gar nicht auf Georg). Nachdem ich mich nämlich unter doch relativ großen Zweifeln, Skrupeln, Hinterfragungen, Prüfungen, Gewissensnöten (natürlich auch jeder Menge Gewissheit, Mut, Liebe, Hoffnung und Ansporn, eben alles gut durchmischt) endlich dazu entschließen konnte, was ich schon als Kind für richtig und wichtig empfunden hatte, nämlich katholisch zu werden, fand ich mich nicht etwa in einer Gemeinschaft von eifrig praktizierenden, die vielfältigen Schätze der katholischen Kirche bewahrenden und immer wieder aufs Neue im Alltag lebenden Glaubensgenossen wieder, sondern in einer Gemeinde, die zwar am Sonntag bemerkenswert zahlreich in der Kirche erscheint, aber ansonsten relativ gleichgültig wirkt. Es tut mir Leid, wenn ich das jetzt am "Außen" festmache, aber ich bin ja schließlich nicht Jesus Christus und kann deshalb nicht in die ganzen Herzen sehen, und deshalb ist mein Urteil sicherlich nur vorläufig und nur teilweise berechtigt. Aber ganz von der Hand zu weisen sind folgende Dinge eben auch nicht:
- Obwohl die Kirche am Sonntag relativ voll ist, weil man halt sonntags zur Kirche geht, sitzen bei allen "Praxisübungen" - so nenne ich sie mal - wie Rosenkranz, Anbetung, Andachten etc. vielleicht ganze zehn Leute da und es sind immer dieselben (was gut ist für die zehn, natürlich). Leider musste ich dann zu einer Anschauung in der Richtung kommen, dass spirituelle Praxis nur für ungefähr zehn Prozent maximal dieser Gemeinde eine Rolle spielt. Von diesen Zehnen bin ich die jüngste mit einem Abstand von circa 20 Jahren.
- Die Kirche ist sicher im regionalen Vergleich sonntags (!) sehr gut besucht, aber es gibt von 100 Gläubigen circa drei, mich eingeschlossen, die die Mundkommunion empfangen. Von diesen dreien kniet sich EINER sogar auf den Fußboden dabei, die anderen beiden Kameraden nehmen davon Abstand, die eine, weil sie schon zu alt ist, die andere, weil sie fürchtet, dabei dem Pfarrer auf offener Bühne in den Schritt fallen zu können (das bin ich, wer sonst). Ich will jetzt nicht rumreden was würdiger ist oder nicht, aber doch kurz anmerken, dass ich mir mein Verhältnis zur Realpräsenz durch die Eigenart, da Konvertitin ("och, ist ja nur ein Gedächtnismahl und so"), wirklich hart habe erarbeiten müssen und daher eine Handkommunion für mich von Anfang an überhaupt nicht in Frage kam, um mein Augenmerk auf diese Realpräsenz von Anfang an zu schärfen. Insofern würde ich mindestens das Aufstellen der alten Kommunionbänke wieder begrüßen, damit ich mich nicht fühle wie in der Schlange bei McDonalds. Und auch im Hinblick auf den Schutz der Weichteile meines Pfarrers.
- Wenn ich in Deutschland jemanden sagen höre, er sei Katholik, kommt sofort eine Entschuldigung für die Inquisition, die Hexenverfolgung, die Renaissancepäpste, AIDS in Afrika, Kardinal Meisner, Kindesmissbrauch und die globale Erwärmung. Mindestens aber eine negative Bewertung des Zölibats. Wenn ich in Italien jemanden sagen höre: Io - cattolico! kommt rein gar nichts hinterher außer einem zufriedenen Lächeln und einem charmanten Hinweis auf unseren neuen alten deutschen Heiligen Vater.
- Inwieweit könnte man unter solchen erschwerten Bedingungen noch erlöster Christ sein?
Ich weiß es nicht. Ich sehe oft Anlass zu Jubel angesichts der Tatsache, dass Jesus Christus auferstanden ist, aber selten welchen angesichts der Tatsache, dass er am Kreuz für uns gestorben ist.
Die moderne Welt erregt ihn mir viel zu viele negative Impulse, bei jedem Anknipsen des Fernsehers, bei jedem Internetbesuch, bei jeder Tagesschau laufe ich Gefahr, meine Seelenruhe zu verlieren und einen kräftigen Fluch auszusprechen, anstatt zu lieben und zu vergeben. Insofern bin ich ganz sicher nicht ein erlöster Christ, schlichtweg wegen zuviel Inputs. Aber ich will auch kein erlöster Christ sein! Wenn ich irgendwann erlöst bin, bin ich tot. Ich will kämpfen gegen meine Leidenschaften, ich will die guten Seiten ausleben, ich will die negativen vielleicht in den Griff bekommen und ich will, auch wenn ich jeden Tag aufs Neue scheitere, fluche und schimpfe und oft lieblos bin, die Welt ein Stückchen mehr lieben können und immer aufs Neue und Weiter und Weiter und Besser eben. Und am Besten so, wie es Gott am Ende will.
Dass man bei diesem Kampf nicht immer fröhlich erlöst aussieht, weil er halt anstrengend ist, das ist nun mal leider so. Ich bin auch nur ein Mensch. Und ich hoffe sehr und glaube nicht, dass Gott mich letztlich nur als seinen Pausenclown hat haben wollen. :-)

Mittwoch, 2. Juli 2008

...

"Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste."

Sokrates zugeschrieben, von Hölderlin zitiert in "Sokrates und Alkibiades".

Dienstag, 1. Juli 2008

Das Farnese-Komplott [151]

Ich klappte das Buch mit einem Knall zu, öffnete das bleiverglaste Fenster und warf es mit weitem Schwung hinunter in den Kräutergarten. Wo es ein paar Tauben aufschreckte und im Mistbeet liegenblieb.
Große Verführungskraft gepaart mit einem gehörigen Maß an Skrupellosigkeit und der Bereitschaft, für die Ziele der Familie, die oft genug im Laufe der Jahrhunderte mit dem römischen Klerus verknüpft waren, nicht nur das eigene Schicksal, sondern auch dasjenige anderer preiszugeben ...
Ich hob grimmig lächelnd den Blick und suchte den Horizont nach Landmarken ab. Berge, Hügel, irgendetwas, was mir einen Anhaltspunkt geben könnte. Im Westen hielt sich an heißen Tagen ein dunstiger Schleier, es konnte das Meer sein, genausogut aber auch ein großer See. Die Klostergebäude selbst vereinten alle Baustile in sich, die Kirche allerdings typisch romanisch. Sicherlich gab es eine Chronik in der Bibliothek, Aufzeichnungen aus der Geschichte, irgendetwas, was mir vielleicht einen Hinweis geben könnte über umliegende Ortschaften. Also wendete ich mich vom geöffneten Fenster ab und machte mich auf die Suche.
Es dauerte nicht mal eine Stunde, bis ich alle Folianten, alle Quartbände und alle Lose-Blatt-Sammlungen der nicht sehr umfangreichen Bibliothek gesichtet hatte. Ich saß schweißverklebt, staubbedeckt und mit Spinnweb, toten Insekten und Wollmäusen dekoriert erschöpft auf dem Cottoboden und dachte darüber nach, wie ich die Vitrine aufbrechen könnte, in der noch einige Schriften unter Verschluss lagen, als mich wildes Geflatter und Gegurre am Fenster aufblicken ließen - die Tauben. Aufdringlich trippelten sie hin und her, her und hin, ruckten mit den Köpfen und gingen mir auf die Nerven. Ich stand ächzend auf, packte den Schrubber, um sie zu vertreiben und hielt mitten in der Bewegung inne: Es waren Brieftauben. Pontifikale Brieftauben, um genau zu sein, denn sie trugen am Ring das päpstliche Siegel mit den Buchstaben CG darunter. Tauben aus Castel Gandolfo, dem päpstlichen Sommersitz? Dann könnte der dunstige Schleier am Horizont vom Albaner See stammen! Ich ließ den Schrubber langsam sinken und streckte geduldig lockend meine Hand aus, schaffte es, eine zu fassen und drehte sie behutsam auf den Rücken. Mit angehaltenem Atem löste ich die Kapsel an ihrem Fuß. Obwohl mir die Hände zitterten gelang es mir, sie zu öffnen. Die Botschaft, die sie enthielt, trieb mir das Blut hoch in den Kopf, meine Wangen prickelten, meine Knie gaben nach. Ich setzte mich auf den Fußboden und starrte darauf, bis mir der Blick verschwamm:

Pone me ut signaculum super cor tuum ut signaculum super brachium tuum quia fortis est ut mors dilectio dura sicut inferus aemulatio lampades eius lampades ignis atque flammarum aquae multae non poterunt extinguere caritatem nec flumina obruent illam si dederit homo omnem substantiam domus suae pro dilectione quasi nihil despicient eum.*

Die aufgeregten Tauben weckten mich aus meiner Erstarrung. Ich stand auf und begann fieberhaft Schreibzeug zu suchen, um zu antworten.


<Das Farnese-Komplott 150

<<[1]
________________________________________________
Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen. Hohelied 8, 6 f.

Über die Kyrenaiker

"Dass man dies aber nicht weiß [was Glück bzw. Lust ist] und dass man gerade hier den größten Täuschungen ausgesetzt ist, wird ersichtlich an H e g e s i a s , der mit seinem Hedonismus so wenig glücklich wurde, dass er sich zu einem Pessimisten entwickelte, der den Ehrentitel "Sterberat" erhielt, weil er in seinen Vorträgen ständig zum Selbstmord aufforderte, bis Ptolemaios Lagu seine Todespropaganda polizeilich einstellte."

Hirschberger: Geschichte der Philosophie.

Kann jemand Türkisch?

Für "hürriyet gänswein" stehe ich auf Platz 2 der Google-Ergebnisse. Andere träumen ja von so was.
Jetzt ist aber das Problem, dass auf Platz 1 ein vielversprechend aussehender Artikel der Hürriyet aus Mai 2008 steht, in dem sie ihm offenbar mindestens durch Einbau eines entsprechenden Fotos ein Verhältnis andichten wollen (Ich denke, im türkischen Denken gibt es große Schwierigkeiten mit dem Konstrukt des freiwilligen Zölibats - Jahrhundertelang vertraute man da auf die schlichte Fakten schaffende Methode der Kastration?).
Außerdem ist ein super Foto von Benedetto mit extraterrestrischer Sonnenbrille dabei.

Ich bin ja eine hartgesottene Leserin

von Vatikanthrillern - und man muss dazu auch recht hartgesotten sein, wie ich zugebe - , und habe in dieser Richtung schon einiges gelesen, was ich einfach nur so grottenschlecht fand, dass es schon wieder lustig war, wenn man sich einen schrägen Sinn für Humor bewahrt hat. Und den habe ich. Sowohl gegenüber hilflosen Versuche wie gegenüber verzweifelten Versuche, die katholische Kirche zu schmähen. Am traurigsten sind natürlich die sowohl hilflosen wie verzweifelten Versuche, als echter Katholik sollte man dann auch beten, aber ich habe dringendere Anliegen als diese. Die Welt hat dringendere Anliegen als krankes Geseiere kleinmadiger Scheinexistenzen, insofern setze ich Prioritäten auch beim Beten.
Es gab auch mal eine Persiflage als Blog-Novela dazu, allerdings habe ich mich nie so weit verstiegen, böse Kardinäle in Damenstrümpfe zu stecken und einer Domina die Stiefel lecken zu lassen oder sich ein kleines Piranha-Becken zu halten, in dem in Anfällen von bösartiger Lust dann kleine bepelzte Wesen versenkt werden. (Philipp Vandenberg!). Ja, ich gehöre sogar zu den Menschen katholischen Glaubens, die Dan Brown durchaus so etwas wie Bewunderung für einen an sich ideenreichen Plot mit phantasievollen Wendungen zollen können, aber ich bin ja auch noch nicht so lange dabei (bei den Katholiken).
Wobei ich jetzt eher den Plot von Illuminati meine als den von Da Vinci Code. Mal ehrlich, die Rede des Camerlengo, die ist schon erstklassig, da hat jemand mit Leidenschaft geschrieben und nicht einfach irgendwas dahingeschlunzt. Aber wie komme ich auf dieses Thema? Ich hatte mir heute mal typische show-downs in Vatikanthrillern angesehen, speziell den ORT und das WIE, also wie der Bösewicht zur Strecke gebracht wird, um der poetischen Gerechtigkeit Genüge zu tun. Und dabei stieß ich auf Steve Berrys Urbi et Orbi, erschienen bei blanvalet. Hat auf den ersten Blick alles, was ein durchschnittlicher Vatikanthriller so braucht: Fatima, Die Liste der Malachias-Päpste kommt vor, ein codierter Text, ein smarter Papstsekretär (!) und all so was. Die beste Profilerin Italiens ermittelt - achnee, das war der andere Thriller - also egal, irgendeine toughe Frau ermittelt halt mit, schnickschnack und so weiter. Und dann folgende, untoppbare Schmarrn-Stelle, die man tatsächlich nur als Katholik mit Freude an der Brachialsatire voll würdigen kann:
[Es geht um die vom Vatikan geheimgehaltene und zu vertuschende "zehnte Botschaft von Maria aus Medjugorje" - Spoiler: Katholische Leser, die sich bereits über Dan Brown schon bis zur Ohnmacht empören konnten, bitte nicht weiterlesen, das ist es nicht wert. Achtung jetzt:]

"Das zehnte Geheimnis von Medjugorje. Er faltete die Seite auf und las die Botschaft erneut.
Fürchte dich nicht, ich bin die Mutter Gottes und fordere dich auf, meine Botschaft der ganzen Welt bekannt zu geben. Höre gut zu und merke auf das, was ich dir sage. Die Menschen müssen besser werden. Demütig müssen sie um Vergebung ihrer Sünden bitten, der schon begangenen wie der zukünftigen. Verkünde in meinem Namen, das ein schlimmes Strafgericht die Menschheit heimsuchen wird; nicht heute und nicht morgen; aber bald, wenn sie meinen Worten nicht glaubt. All dies habe ich schon den Gesegneten von La Salette enthüllt, dann in Fatima, und heute wiederhole ich es, weil die Menschheit gesündigt und das Geschenk, das Gott ihr gab, mit Füßen getreten hat. Die Zeit der Zeiten und das Ende aller Enden wird kommen, wenn sich die Menschheit nicht bekehrt; und wenn alles so bleibt etc.etc...
Warum verfolgt ihr den Mann und die Frau, die anders lieben als andere? Solche Verfolgung missfällt dem Herrn. Wisse, dass das Sakrament der Ehe allen ohne Einschränkung zu teil wird. Verbote entspringen der Torheit des Menschen, nicht dem Wort Gottes. Gottes Auge ruht wohlgefällig auf den Frauen. Ihr Dienst wurde zu lange verboten und dieses Verbot missfällt dem Himmel.Die Priester Jesu sollten glücklich sein und das Leben in seiner Fülle kennen. Die Freude der Liebe und der Elternschaft sollte ihnen nicht verwehrt werden. Der Hl. Vater ist gut beraten, wenn er dies versteht. Meine letzten Worte sind die wichtigsten: Wisse, dass ich mich aus freiem Willen entschied, die Mutter Gottes zu sein. Die Entscheidung für ein Kind liegt bei der Mutter, und niemand soll hier eingreifen. Gehe nun hin und verkünde die Botschaft!. Etc Etc.

Ist das nicht klasse? Gottes Wille ist eine Mischung aus dem Geschwätz von Drewermann und Alice Schwarzer! Das ist so herrlich, dass ich mich kaum zu fassen weiß.
Und das war der Moment, wo ich mir dachte, okay, Vatikanthriller? Das kriegst du besser hin.
In MEINEM Vatikanthriller baue ich nämlich noch Eva Herman und Johannes Baptist Kerner mit ein!

*klopft sich auf die Schulter*

Ich hatte den Grappa abgelehnt, an dem Lorenzo und Zeno sich gütlich taten und lieber noch eine Flasche Rosato geöffnet. Außerdem hatte ich mir aus Lorenzos Arbeitszimmer einen Atlas besorgt und neugierig die Nordafrika-Karte aufgeschlagen, während Zeno sich bei Lorenzo wortreich darüber beklagte, ihn nicht längst eingeweiht zu haben. Lorenzo hörte nur mit halbem Ohr hin. „Sie müssen im Osten von Algerien schauen. Sehen Sie Constantine, das ist eine größere Stadt, und dann nordwestlich nach Mila suchen ...“
Zeno verfiel derweil in einen Monolog über den misslichen Umstand, dass es sich sein Freund nun mit allen und jedem verdorben habe, eine Monografie über Opus Dei hätte seiner Meinung nach ausgereicht, dann wüsste man wenigstens, wo man die Strippenzieher zu suchen habe. Aber so!
„Ich hab’s!“, rief ich und tippte mit dem Finger auf Mila, das antike Milevum. „Das soll Ihr Bistum sein?“
„Genaugenommen sind es nicht mal Ruinen, es ist nur noch der Überrest einer Stadtmauer mit viel Sand drumherum“, erklärte Lorenzo grinsend.
„Klingt zauberhaft. Fast schon poetisch!“
„Es kommt noch besser. Einer meiner Vorgänger war päpstlicher Nuntius am Hofe von Kublai Khan, und, hier hat die Kongregation Sinn für subtilen Humor bewiesen, der manichäische Ketzer Faustus wurde um 350 dort geboren, ein ziemlich widerspenstiger Typ, der weder das Alte Testament, noch den Mythos um Jesu Geburt und seine Auferstehung anerkennen wollte. Augustinus hatte seine liebe Not mit ihm.“
Zeno klopfte ein paar Mal mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte. „Hallo? Könntest du bitte deine kirchengeschichtliche Vorlesung verschieben, ich bemühe mich, die Hintergründe eines Attentats zu klären!“
Ich klappte schuldbewusst den Atlas wieder zu und setzte mich in eine aufrechte Position.


Das ist einfach auch geil recherchiert, das muss man schon sagen.

...

und benötigte dringend einen kleinen caffè. Mindestens hundert italienische Großfamilien mussten genau zur selben Zeit den gleichen Gedanken gehabt haben. In diesem Fall galt es, sich irgendwie ins Getümmel zu werfen und zu hoffen, dass ein netter junger Mann hinter der Theke Dienst hatte, der einem den ganzen Mamas gegenüber vorzog. Höfliches Anstellen führte so gut wie nie zum gewünschten Ziel. Also drängte ich mich mit meinen Kassenzettel nachdrücklich durch den Pulk, mit einem halben Auge auf den Flachbildschirm über der Theke. Ein uniformierter Wetterfrosch von Rai Uno informierte mich darüber, dass die zu erwartenden atmosphärischen Verhältnisse unser aller Vorstellungsvermögen betreffend hervorragenden Wetters sprengen würden, was im Klartext bedeutete, dass ganz Mittelitalien ab morgen in einer Erbsensuppe versinken würde, die ihresgleichen suchte.

Ich weiß ja nicht mal, ob die Grammatik wirklich stimmt, aber inhaltlich war das ein echter anobella.
*vergnügt sich*

Maaadonnnaaaaa...

Die römische Inquisition war auch für ihre äußerst planlose Vorgehensweise bekannt, das spiegelt sich in der gesamten Konstruktion der Erzählung leitmotivisch wider :)

*vertreibt sich grad die Zeit im Blog-Archiv auf das Vortrefflichste*

Montag, 30. Juni 2008

Hihi ... Dialoge wie von Außerirdischen ...

„Wie kommt es, dass er die Explosion so gut überstanden hat?“, keuchte ich. Ich hatte immer noch Seitenstechen.
„Er kann nicht im Auto gewesen sein, als es passierte. Ich habe ihn ein Stück entfernt gefunden“, antwortete Lorenzo mit brüchiger Stimme.


*mammamia**setzt den großen hobel an*

Eiserne Reserve - angebrochen.

Pfälzer Bratwurst aus der Dose mit Senf, sauren Gurken und einem Roggenmischbrot (eingefroren, Mitbringsel von G.Heim).

(Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, Senf in Gläser zu füllen, es ist eine ziemlich dämliche Idee).

Die Automatische Literaturkritik

zum Bachmannpreis der Riesenmaschine ist wirklich gut - hier zum Beispiel unter Pluspunkte für den Autor

- schnörkelloser Lebenslauf ohne Preise, ohne Aufenthalte, ohne Hobbies ("Schreiben", "Leichenwaschen")
- Autor hat einen Beruf erlernt


oder Inhalt:

- Protagonisten sehen fern
-Bedeutungsschwere wird anders als durch Vergewaltigung, Missbrauch, Selbstmord oder Inzest erzeugt

Minuspunkte zum Beispiel:

für den Autor:

# Hand im Gesicht auf dem Autorenfoto
# Lastenausgleich: Autor sieht außergewöhnlich gut aus
# Brücken, Flüsse, Seen, Ufer im Autorenporträt
# Bahnhöfe, Züge, Gleise, Bahnsteige, Flughäfen im Autorenporträt
# Rolltreppen, Rollbänder, Aufzüge, Großaufnahme gehender Füße im Autorenporträt
# Bücherregale im Autorenporträt
# Musikinstrumente im Autorenporträt


Inhaltlich:

# Überlegungen des Erzählers ("Doch wie beginnen?") / Lord-Chandos-Zweifel
# Handlung basiert offensichtlich auf Lesereise-Erlebnissen
# Protagonisten heißen Leander, Muriel, Luna, Laura, Lena, Lea o.ä.
# Dialoge wie von Außerirdischen erdacht: "Aber er sagte doch, er sei nicht dort gewesen!" - "Wie redest du mit mir!"


via Anobella via Riesenmaschine

cantare

Karl Marx
Karl Marx 1897-1985 (Komponist), nicht zu verwechseln...
Robert (anonym) - 5. Jul, 00:38
beim Abbrennen der Kerze...
... einen Bach-Choral zu summen, könnte die Wirkung...
inge lütt (anonym) - 4. Jul, 23:26
ja, mit dem wort STEFANI...
ja, mit dem wort STEFANI immer quer über dem gesicht...
ElsaLaska - 3. Jul, 23:44
warmes salzwasser.......
warmes salzwasser.... uähhhh.... das erinnet mich...
rosmarin - 3. Jul, 23:01
Oh oh,
ich weiß nicht womit kranke Schweine das verdient...
zuckerwattewolkenmond - 3. Jul, 19:34
Das hat mich jetzt eine...
Das hat mich jetzt eine Weile sprachlos gemacht und...
ElsaLaska - 3. Jul, 18:04

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Der Atheismus-Wahn

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